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Alt 09.11.2004, 23:09
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Pfeil Porsche-Fan kämpft für privat finanzierte Autobahnen

Porsche-Fan kämpft für privat finanzierte Autobahnen

Dresden/Königswinter. Eigentlich sollten es nur zwei Jahre sein im Dienste des Freistaates Sachsen. Letztlich wurden daraus sieben. Und selbst drei Jahre nach der aktiven Zeit als Staatssekretär im Finanzministerium ist Karl-Heinz Carl immer noch in Sachsen unterwegs.

Nach wie vor ist der 76-Jährige Vorsitzender des Stiftungsrates Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Das gegenseitige Kennen sei wichtig bei diesem grenzüberschreitenden Projekt. Deshalb mache er weiter, mit zwei wesentlichen Zielen vor den Augen. Im Oktober soll eine Doppelbrücke den deutschen und den polnischen Teil des Parks miteinander verbinden. Das Ensemble, von der Neiße durchschnitten, kann nur als Ganzes erhalten werden. Die Brücke ist ein Meilenstein dazu. Der Gipfel steht im kommenden Jahr bevor. Im Sommer wird die Unesco über den Antrag zur Aufnahme des Parks in die Liste des Weltkulturerbes entscheiden. "Wenn ich das geschafft habe, dann kann ich mich abmelden dort", meint Carl heute. Sollte er sich dann doch einmal zur Ruhe setzen, kann er auf ein wechselvolles Leben zurückschauen.

Karl-Heinz Carl wird 1927 in Erfurt geboren, dort geht er zunächst zur Schule, später zieht die Familie nach Suhl. Die letzte Phase des Krieges muss er noch als Luftwaffenhelfer miterleben, bei den Kämpfen an der Oder und im Raum Berlin. Um ihn herum stirbt jeder zweite Mann. Carl hat Glück. Zurück in der Heimat "haben uns die Kommunisten schnell klar gemacht, das wir weg müssen", schildert er die damalige Lage. Sein Vater hatte ein Unternehmen mit 150 bis 200 Mitarbeitern in der Lebensmittelbranche. Carl studiert in Hamburg Jura, 1955 stellt Rheinland-Pfalz ihn als Landesbeamten an. Sechs Jahre später ist er bereits in Bonn im Bundesfinanzministerium. Carl nennt es "meine Heimat". Die teilte er mit Franz-Josef Strauß, unter dem er der jüngste Referatsleiter gewesen sein dürfte. Verteidigung ist schon hier sein Metier und so ist es nicht ungewöhnlich, dass er später richtig beim Militär einrückt. Fünf Jahre ist er in Brüssel beim Nordatlantischen Militärbündnis Nato Finanzattaché. Mit der Ära Kohl kehrt er zurück nach Deutschland, landet in der Haushaltsabteilung auf der Hardthöhe, wo ihn nach der Wende die Auflösung der NVA beschäftigt. Er kommt wieder in den Osten, zunächst als Berater des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt, ab 1992 in Sachsen als Staatssekretär beim damaligen Finanzminister Georg Milbradt (CDU), mit dem ihn "ein fast freundschaftliches Verhältnis" (Carl) verbindet. In den schließlich sieben Jahren macht er sich nicht nur Freunde. Die Militärzeit hat sicher geprägt, mancher sieht in ihm einen Despoten. Er ist zweifellos der man fürs Grobe, die Dinge, aus denen sich der Chef gern heraushält. In Bad Muskau gibt es heftigen Streit um die Sanierung, Immobiliengeschichten, die Wohnverhältnisse des Ministerpräsidenten, mehr Gehalt als Chef Milbradt; viele einzelne Dinge machen ihn in blassem Umfeld zur schillernden Persönlichkeit.

1992 muss noch sehr viel gebaut werden in Sachsen, das Finanzministerium braucht ersteinmal ein Dach, das Gold auf der Staatskanzlei war aber allerhöchste Chefsache, Carl vollzieht und setzt dem Regierungssitz die Krone auf. Mit den Wettinern ringt er um die Kunstschätze ihrer Ahnen. Carl baut die Schlösser- und die Finanzverwaltung auf im Freistaat, führt Leistungsvergleiche in den Finanzämter ein. "Einige werden nicht begeistert gewesen sein, aber alle zum Jubeln zu bringen, das war nicht mein Job." Man müsse schon ein dickes Fell haben in diesem Ressort und überzeugt sein, dass alles, was man tut, richtig und gesetzmäßig ist". Wichtig sei das Ergebnis. Das sagt sich der Ski-Fahrer (trotz Beinbruch vor einiger Zeit) und Porsche-Fan auch heute noch. Er sammelt Befürworter für den privat finanzierten Autobahnbau, vor allem nach Osteuropa. Der Staat könne das nicht leisten. Irgendwann würden alle im Stau stehen. Und dass beliebte Argument gegen die Maut auf deutschen Autobahnen "Wir zahlen alle Steuern" lässt er auch nicht gelten. Für ihn zählt eben das Ergebnis.

Und so hält sich Carl nicht lange mit Kritikern auf und freut sich eher über die Porträtbüste, die ihm Muskauer Mitstreiter zum 70. vermacht haben. Oder über seinen Enkel Moritz, der ihn an seinen langjährigen Wohnsitz Moritzburg und an Maréchal de Saxe, einen Sohn August des Starken mit großer Militärkarriere erinnert. Besuchen kann er den Stammhalter in seiner eigenen Geburtsstadt. Einer der Söhne arbeitet bei der Erfurter Oberfinanzdirektion, der andere in der Dresdner Staatskanzlei.
http://www.dnn-online.de/regional/37931.html

wenn da mal kein eigennutz dabei ist ..
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... und wieder ein unqualifizierter beitrag vom andreas


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